FOCUS

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Aprilfrost
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FOCUS

Beitrag von Aprilfrost » Mi 9. Feb 2011, 21:40

Aus aktuellem Anlass eröffne ich diesen Thread. Sie touren wieder!!!
Ich kann mir kaum vorstellen, dass es auf diesem Planeten einen Menschen unter 18 Jahren gibt, der diesen Song nicht kennt:

[youtube]NGaVUApDVuY[/youtube]

Aber Focus ist viel mehr als eine Gaudi-Band. Die Holländer um das geniale Duo Jan Akkerman / Thijs van Leer haben qualitativ hochwertige Musik geschaffen, die auch in 200 Jahren noch in Musik-Archiven auftauchen wird. Es wäre wenig hilfreich, weitere Hörbeispiele anzugeben, weil die Musik sehr unterschiedlich ist. Sogar auf ein Genre wage ich mich nicht festzulegen. Auf jeden Fall gilt. Wer Focus nicht kennt, hat die Welt nicht wirklich kennen gelernt.
Gegründet wurde Focus 1969 von Thijs van Leer (Keys, Flöte) mit Martin Dresden (Bass) und Hans Cleuver (Schlagzeug). Kurz darauf stieß der geniale Jazz-Gitarrist Jan Akkerman zu ihnen. Obwohl sie schon von Kritikern Beachtung bekommen hatten, wurden sie einem breiteren Publikum erst durch Hocus Pocus (s. o.) bekannt.
Focus haben in unterschiedlichen Besetzungen mehrere Alben eingespielt, die ich alle für empfehlenswert halte. Wer die Möglichkeit hat ein Konzert von ihnen zu besuchen, sollte das nicht versäumen. Focus gehören zu den ganz Großen.

Discographie:

* 1970 - In and Out of Focus
* 1971 - Moving Waves
* 1972 - Focus III
* 1973 - Live At The Rainbow
* 1974 - Hamburger Concerto
* 1975 - Mother Focus
* 1976 - Ship of Memories
* 1977 - Focus con Proby
* 1985 - Focus - J. Akkerman & Thijs van Leer
* 2002 - Focus 8
* 2007 - Focus 9 / New Skin
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JJG
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Re: FOCUS

Beitrag von JJG » Mo 29. Okt 2012, 10:36

Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:

Hier kann man in die Songs reinhören, scheint ein tolles Album zu werden:
http://www.focus10.net/
"We are truth made in heaven, we are glorious" (Anderson/Stolt 2016)

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Re: FOCUS

Beitrag von JJG » Mi 7. Nov 2012, 18:07

Endlich da! Rockt total, hab ich nicht anders erwartet.
Die Scheibe wird es in meine Top 10 2012 schaffen.
"We are truth made in heaven, we are glorious" (Anderson/Stolt 2016)

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Re: FOCUS

Beitrag von Aprilfrost » Mi 7. Nov 2012, 18:19

JJG hat geschrieben:Endlich da!
Neid! Für welche Ausgabe hast Du Dich entschieden?
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Re: FOCUS

Beitrag von JJG » Mi 7. Nov 2012, 18:23

Aprilfrost hat geschrieben:
JJG hat geschrieben:Endlich da!
Neid! Für welche Ausgabe hast Du Dich entschieden?
Ich habe die Limited bestellt, sie sieht aber wie die einfache Version aus.
Wollte mich schon beschweren, lohnt sich aber wegen 2€ nicht.
"We are truth made in heaven, we are glorious" (Anderson/Stolt 2016)

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Focus

Beitrag von Aprilfrost » So 11. Nov 2012, 18:33

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„Focus würde ich nicht mal anhören, wenn sie bei unserem Nachbarn zum Grillfest vorbeischauen würden.“

Dieses Statement eines durchaus ernst zu nehmenden Musikfreundes zeigt bereits, dass Focus keine Musik für alle und jeden macht. Was soll man auch von einer Band halten, die vor allem durchs Jodeln berühmt geworden ist und sich stilistisch nur schwer einordnen lässt? Und dann kommen sie auch noch aus Holland, wo bisher noch niemand die Wiege der Rockmusik verortet hat. Wenigstens singen sie englisch (wenn sie denn mal singen), und nicht in der Sprache Rudi Carrells, die immer ein wenig, äh, unernst klingt. So eine Combo hat überhaupt nur eine Chance, wenn sie in den 1970er Jahren groß geworden ist. Also: Uhr zurück drehen, Kalender zurück blättern … wir befinden uns im Jahr 1969. Ganz Gallien … HALT, falscher Film!

Noch mal: Wir befinden uns im Jahr 1969. Das Hippie-Musical „Hair“ feiert überall große Erfolge. Auch in den Niederlanden. Der Gitarrist Jan Akkerman, Drummer Hans Cleuver, Bassist Martijn Dresden und Keyboarder/Flötist Thijs van Leer (Student der Kunstgeschichte) leisteten den musikalischen Beitrag zu diesem rockigen Musical. Ihnen allen war klar, dass das keine Lebensaufgabe ist. So suchten sie sich einen Namen und nahmen als „Focus“ ihre erste LP auf: „In and Out of Focus“. Das Besondere: anders als die meisten anderen Bands verzichtete Focus auf einen Leadsänger. Überhaupt wurde nur wenig gesungen, und wenn, dann wurden die Stimmen als Instrumente eingesetzt. Harmonie-Gesumme, an Gregorianik erinnernde Melodien, Nonsens-Silben und gutturale Geräusche – das alles floss in das musikalische Konzept ein, aber im Wesentlichen waren und sind die Instrumente für den Sound prägend. Und was ist ein Instrument ohne seinen Spieler? Ein seelenloser Gegenstand. Erst wenn der Musiker ihm Töne entlockt, wird es lebendig und zeigt, was in ihm steckt.

Und genau das macht Focus aus: virtuose Musiker, die ihre Instrumente beherrschen und ihnen Töne entlocken, die dem Ganzen, also der Band und ihrer Musik ihre Einzigartigkeit verleiht. Diese Einmaligkeit klingt schon auf dem Debut-Album an. Man lausche nur mal den Tracks „Focus“ oder „Anonymus“.

Aber das Projekt „Focus“ war in Gefahr, gleich wieder in der Versenkung zu verschwinden, denn sowohl der Drummer als auch der Bassist verließen die Band nach diesem Achtungserfolg. Ein gleichwertiger Ersatz musste gefunden werden. Während der begnadete Drummer Pierre van der Linden von Akkermans voriger Band Brainbox von nun an auf den meisten Alben die Drums bearbeitet, war Cyril Havermann, der den Bass auf dem Chartbreaker „Hocus Pocus“ spielt, nach der Aufnahme des Albums „Moving Waves“ wieder verschwunden. Mit dem genannten Hit erwarb sich Focus erstmals internationale Anerkennung. Es folgten mehrere Alben in unterschiedlichen Besetzungen, einzig Thijs van Leer blieb vom Anfang an bis heute dabei.

Wie es sich für den progressiven Rock gehörte, lieferten Focus neben radiotauglichen Stücken auch Longtracks ab, wie z.B. „Eruption“ (23:02) oder „Hamburger Concerto“ (20:20). Hier zeigen sie ihre Vielseitigkeit und vor allem ihre musikalischen Fähigkeiten.

Inzwischen hatte sich Focus auch live einen Namen gemacht. Konzerte in Europa und Amerika trugen zur internationalen Berühmtheit bei. Jan Akkerman gelang es, niemand Geringerem als Eric Clapton den Ruf des weltbesten Gitarristen 1973 zu entreißen. Es war schon etwas riskant, Elemente der Rockmusik, des Jazz und der Klassik miteinander zu verbinden. Entweder man fand Zustimmung oder man geriet in Verdacht, „alles ein bisschen, aber nichts richtig vollendet“ zu machen. Nun, der Erfolg gab Focus Recht.
Jan Akkerman wandelt seit damals auf Solopfaden, aber auch von van Leer gibt es Alben, die unter seinem Namen erschienen. „Pedal Point“ nennt sich eine Formation, mit der er eine ernsthafte und doch rockige Messe aufnahm.

Als Inspiration und Seelenverwandte benannten die Focus-Mitglieder u. a. Bela Bartok, Miles Davies und Chick Corea. In ihrem Sinne erweiterten sie die Rockmusik und blieben sich bis heute treu. Auf dem Album „Hamburger Concerto“ werden die Einflüsse der genannten Musiker besonders deutlich. In den nächsten Jahren folgten achtbare Alben. Zwar gab es keine Hits, die im Radio rauf und runter gespielt wurden, doch erhielten sich Focus ihre Fangemeinde. 1985 taten sich van Leer und Akkerman zusammen, um ein Album einzuspielen, das sie schlicht „Focus“ nannten. Für mich ein echter Kracher in den damals so sterilen 80ern.

Auch nach dem Millenium wird die Focus-Geschichte weiter geschrieben. 2002 wurde „Focus 8“ nachgelegt, bereits unter Beteiligung des Bassisten Bobby Jacobs, 2006 „Focus 9 / New Skin“, dessen Titel sich mir nicht erschließt. Aktuell präsentieren Focus in der Besetzung v. Leer – Keyboards/Gesang/Flöte, v. d. Linden – Drums, Jacobs – Bass und Menno Gootjes – Gitarre das Album „Focus X“. Und die Band ist immer noch und immer wieder so unbeschreiblich gut, dass ich meinem Nachbarn sämtliche Grillwürste für ein ganzes Leben spendieren würde, um diese Band noch einmal zu erleben.

Discographie:


* 1970 - In and Out of Focus
* 1971 - Moving Waves
* 1972 - Focus III
* 1973 - Live At The Rainbow
* 1974 - Hamburger Concerto
* 1975 - Mother Focus
* 1976 - Ship of Memories
* 1977 - Focus con Proby
* 1985 - Focus - J. Akkerman & Thijs van Leer
* 2002 - Focus 8
* 2007 - Focus 9 / New Skin
* 2012 - Focus X

Musiker:

Keyboard / Flöte:
Thijs van Leer

Schlagzeug:
Hans Cleuver
Pierre van der Linden
Collin Allen
David Kemper
Bert Smaak

Gitarre:
Jan Akkerman
Phillip Catherine
Eef Albers
Jan Dumée
Niels van der Steenhoven
Menno Gootjes

Bass:
Martin Dresden
Bert Ruiter
Bobby Jacobs

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Re: Focus

Beitrag von SOON » So 11. Nov 2012, 20:24

das liest sich wieder mal so locker-flockig, als wenn Öl runder läuft. Wenn ich da ein mein holpriges Geschreibsel denke. :roll:
Natürlich ist mir Focus längst bekannt, zählen sie doch zu den großen im Prog.
Die ersten 4 Scheiben sind schlicht Legende und wer darauf abfährt, sollte sich dringend mal um Akkermans "Brainbox" kümmern.

Was mich interessieren würde ist, warum Jan Akkerman nicht mehr dabei ist, der ist doch noch fit?
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Re: Focus

Beitrag von JJG » So 11. Nov 2012, 22:26

Frostis Beiträg(e), besonders dieser zeigen mir, dass man immer noch was lernen kann. Danke!
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Re: Focus

Beitrag von Aprilfrost » Mi 21. Nov 2012, 19:02

SOON hat geschrieben:Was mich interessieren würde ist, warum Jan Akkerman nicht mehr dabei ist, der ist doch noch fit?
Akkerman und van Leer waren musikalisch ein geniales Paar, aber leider konnten die beiden auf der persönlichen Ebene überhaupt nicht mit einander. Akkerman kam aus der "Arbeiterklasse" und van Leer aus der "gebildeten Mittelschicht". Der Gitarrist war und ist der Ansicht, dass van Leer und seine Familie ihm den Erfolg neidete, der ihm als "weltbester Gitarrist" offenbar mehr zuflog als dem Organisten. Angeblich versuchte Familie van Leer dem armen Kerl das Leben zur Hölle zu machen, u.a., indem sie ihm Hass-Briefe schrieben. Akkerman habe jeden gemeinsamen Tag mit der Band unerträglich gefunden.
Im Januar 1976 verkündete er unmittelbar vor Beginn einer ausverkauften Tournee seinen Austritt aus der Band. Darüber hinaus kam er zu dem Schluss, dass ihn Ruhm und Erfolg verlassen hätten. Der ohnehin introvertierte junge Mann zog sich noch mehr zurück, spielte bis zu 18 Stunden am Tag auf seiner Klampfe und vernachlässigte soziale Kontakt. (Quelle: http://www.performing-musician.com/pm/j ... kerman.htm). Dort gibt es weitere ausfühliche Informationen über J.A.)

Seine Künste am Instrument sind immer noch legendär. Ich denke aber auch, dass er bei Focus zu sehr auf der Rock-Schiene festgelegt war. Später arbeitete er mit anderen hochkarätigen Musikern wie B. B. King, Charly Byrd, Cozy Powell u. a. Er machte Blues, spielte Lateinamerikanisches, Jazz, Jazzrock und was weiß ich noch. Heute ist er 65 Jahre alt und natürlich noch immer aktiv. An frühere Erfolge konnte er jedoch (bisher) nicht wieder anknüpfen.

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Re: Focus

Beitrag von SOON » Fr 23. Nov 2012, 19:31

danke für die Infos.
So hatte ich mir das mit Akkerman nicht vorgestellt.
Es gab ja noch eine Zusammenarbeit 1985, schade.
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Re: Focus

Beitrag von Aprilfrost » Fr 23. Nov 2012, 20:40

SOON hat geschrieben:Es gab ja noch eine Zusammenarbeit 1985...
... mit einem großartigen Resultat! :)
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Re: Focus

Beitrag von Royale » So 23. Dez 2012, 22:23

Bis auf die hässlichen Cover ein sehr schöner Beitrag, Frosti! ;)

Vielen Dank dafür. Ist das Hamburger Concerto, was du in deinem Text erwähnst, ein "Longtrack"? Ich dachte spontan, dass das ein Live-Album wäre. Welche Tracks würdest du mir als Einstiegsdroge empfehlen?
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