[REVIEW] YES - Tormato (1978)

veröffentlicht: 20.09.1978

Jon Anderson ; Chris Squire ; Steve Howe ; Alan White ; Rick Wakeman

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ulrik
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[REVIEW] YES - Tormato (1978)

Beitrag von ulrik » Di 27. Jun 2017, 07:42

Meine Lieblingsplatte Tormato ist die für mich wichtigste Yes-Scheibe, hier meine Rezension:

Future Times

Der Anfang sagt alles: da Wakeman und Howe sich nicht mehr leiden konnten, spielen sie am Anfang unisono, um bloß nicht dem anderen den Opener zu gönnen. Dadurch entwickelt sich aber ein ziemlich tolles Intro, bis dann Alan White nach 20 Sekunden den Beat einsetzen lässt (Wakeman und Howe nun virtuos zweistimmig, versuchen sich weiterhin zu überbieten ...).
Schöner Gesang von Anderson, unterstützt von Squire...

Cooler Break bei 1:30, bringt herrlich Ruhe rein...
Bei einsetzendem Beat wieder das Gegenspiel Howe/Wakeman

Ab 3:37 super Schluss mit Gegenbeats von Alan White...

Rejoice beginnt bei 4:08, prima wirrer Bass von Squire. Da sich Wakeman per Panorama-Scan auf die Seite von Howe wagt, darf dieser ab 4:28 solieren. Ab 5:00 dann wieder zweistimmig... Dann beginnt die Schlussgruppe, klasse Beat von Alan White und Squire. Komische Harmonien, total irre.

Am Schluss wieder Howe und Wakeman...

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Don-t kill the whale

Don't read the lyrics! Schlimmer als "Russians" von Sting. Die Gitarrenhook ist fast die gleiche Hook wie bei Sledgehammer. Squire hat beim Aufräumen ein WahWah-Pedal entdeckt und bringt dieses exzessiv zum Einsatz. Der Gesang sehr schön zweistimmig Squire+Anderson über gnadenlosen Beat von Alan White. Virtuose Gitarrenlicks im Zwischenpart und ziemlich abgefahrene Harmonien. Alan White spielt "gerade" und bringt so den Song nach vorne. Tolles Keyboard-Solo (Howe hatte ja den Anfang!), ok, ab 2:33 hätte man abbrechen können, nicht mehr so richtig Lyrics vorhanden ("eyeye"), dafür schöner Trugschluss bei 3:28.

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Madrigal

Das "More Fool Me" von Yes! Ein Klassiker. Squire ist so genervt von dem Stück, dass er sich sogar weigert, den Background zu singen (singt Anderson alleine, "aaaaah"): ok eines von diesen Stücken, dann aber wieder Feuer:

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Release Release

Eins der geilsten Intros der Musikgeschichte (naja....). Bass+Schlagzeug spielen ein anderes Stück als die Gitarre, die Orgel wird noch gestimmt. Gitarre spielt 4/4 Takt, Bass-Drums 6/8!!!! Zwischendurch wirds immer krummer, bis sie dann bei 0:18 wieder zusammen sind. Bis 0:33 dann Intro Nummer 2, Alan White spielt absolut ungerade! Die Strophe: White gerade mit unglaublichem Drive. Die Bridge geile unisone Läufe von Bass und Orgel (ab 1:00 + 1:32) . Ab 1:42 wieder 6/8 bei Bass+Drum und 4/4 beim Rest. Ok auch dieser Song ist eigentlich nach 2:40 zu Ende. Ein peinliches Schlagzeug-Solo mit noch peinlicherem Live-Feeling. Streichen wir die Musik bis 3:56. Dann wieder Strophe. Ab 4:30 wieder kurz der 6/8 (da freue ich mich immer...). Der Schluss: naja, irgendwie muss der song ja aufhören.

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Arriving Ufo

Ok, nicht so mein Fall, erst am Ende. Das Keyboard nervt mich allerdings die ganze Zeit...

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Circus of Heaven

Mein Gott, was haben die für Scheiss-Song-Titel.... Der Gesang hat was Volkslied-artiges. Mag ich. Was der Bass spielt ist mir ein Rätsel. Klingt aber geil. Scheiss-Mittelpart...(...animals... wonderful extraordinary beautiful)
Bis zum Schluss öde.

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Onward

find ich auch etwas langweilig

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On The Silent Wings of freedom

Eins der geilsten Intros der Musikgeschichte (naja....). Ich finde das hat was von Motor-Anpringen. So bis 0:28. Dann wird der Wagen angeschoben... Der Bass spielt immer noch so, als wäre er in einer anderen Sphäre, herrlich gegenan (mit obigem WahWah). Ab 2:05 die Gitarren-Achtel kündigen den Wechsel an.... Ab 2:21 dann der Höhepunkt. Hört mal auf den Bass, wie der mit herrlichem Glissando die Gitarren-Hook unterstützt... Die Strophe ist wieder so ein 6/8 und 4/4 Mix. Ab 3:46 wieder das "Motor-Anspingen" in der Rhytmus-Gruppe, und Anderson singt da einfach drüber...herrlich. Noch mal schön das WahWah einsetzen...
Ab 4:25 fehlen Lyrics (Lalalala)....
Ab 4:45 etwas Zeitschinden mit einem überflüssigem Mittelpart, aber geilen Gitarren-Effekten (5:10). Jon: "On the darkest night so painful..." - das muss doch nicht sein! Dafür die Überleitung ab 6:00 zum Schluss wieder toll...das Keyboard-Solo würde ich heut auch wegschneiden....

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nixe
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Re: Meine Lieblingsplatte (Review)

Beitrag von nixe » Di 27. Jun 2017, 09:18

Boah, Endlich mal einer, dem Tormato zumindest teilweise gefällt!
Tschüß
nixe

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Re: Meine Lieblingsplatte (Review)

Beitrag von JJG » Di 27. Jun 2017, 22:30

@ Ulrik - Anderson singt am Ende von "Don't kill the Whale" nicht "eyeye" sondern CETACEI (u.a. italienisch) = Wale
Und nein "Onward" ist nicht langweilig mit "On the silent Wings of Freedom" die beiden an besten produzierten Stücke
des Albums. "Tormato" ist voll von Ideen, leider in einigen Bereichen schlecht umgesetzt. Hier hätte ich mir einen
neuen Mix von Steven Wilson gewünscht. Squire und White brillieren auf dem Album, Howe und Wakeman haben ihre
Schwächen. Rick nutzt aus meiner Sicht eher neue Instrumente, die er hofieren soll. In einem Interview hab ich
gelesen, dass es Steve damals gesundheitlich nicht so gut ging.
"We are truth made in heaven, we are glorious" (Anderson/Stolt 2016)

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Re: [REVIEW] YES - Tormato (1978)

Beitrag von SOON » Di 27. Jun 2017, 23:08

Tormato ist mMn sicherlich kein schlechtes Album, aber es fällt gegen die Vorgänger ab.
"Onward" "Don't kill the Whale"und "On the silent Wings of Freedom" zählen zu meinen persönlichen YES-Favoriten.
Sind kompakter als von YES gewohnt und vielleicht gerade deshalb weniger beachtet worden.
Thx ulrik, sehr interessant wie du ins Detail gehst.
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Re: Meine Lieblingsplatte (Review)

Beitrag von ulrik » Mi 28. Jun 2017, 17:54

JJG hat geschrieben:
Di 27. Jun 2017, 22:30
@ Ulrik - Anderson singt am Ende von "Don't kill the Whale" nicht "eyeye" sondern CETACEI (u.a. italienisch) = Wale
ok, das macht es aber jetzt auch nicht so viel besser :D
Und nein "Onward" ist nicht langweilig mit "On the silent Wings of Freedom" die beiden an besten produzierten Stücke
muss ehrlich sagen, die Orchestrierung von Onward ist unerträglich...
Hier hätte ich mir einen neuen Mix von Steven Wilson gewünscht.
Ich finde eigentlich nur ganz ganz selten, dass man etwas remixen sollte, habe allerdings nichts gegen Remaster. Ich habe dieses Album in meiner Kindheit (lange her) rauf und runter gehört und - wie man vielleicht merkt - vor allem die erste Seite (man musste ja noch Platten umdrehen!). Gerade der etwas ungeschliffene, raue Sound gefällt mir sehr gut. Da das lange Zeit meine einzige Yes-Platte war ist meine Sicht der Dinge allerdings mit Sicherheit auch nicht objektiv. Ich komme bloß immer wieder auf diese Platte zurück, daher wollte ich meine Begeisterung mal kundtun.


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Re: [REVIEW] YES - Tormato (1978)

Beitrag von ulrik » Mi 28. Jun 2017, 18:10

SOON hat geschrieben:
Di 27. Jun 2017, 23:08
Thx ulrik, sehr interessant wie du ins Detail gehst.
Vielen Dank, dass das jemand würdigt :D

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JJG
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Re: [REVIEW] YES - Tormato (1978)

Beitrag von JJG » Do 29. Jun 2017, 19:35

ulrik hat geschrieben:
Mi 28. Jun 2017, 18:10
SOON hat geschrieben:
Di 27. Jun 2017, 23:08
Thx ulrik, sehr interessant wie du ins Detail gehst.
Vielen Dank, dass das jemand würdigt :D
Ich schließe mich an, ich finde Deine Eindrücke sehr interessant, auch wenn wir hier und da weit auseinander liegen.
Ein Remix hätte ich sehr genossen, für mich ist die Schreibe über weite Strecken flat produziert, dazu noch "höhen-lastig"
bei Keyboards und Gitarre. So sieht es halt jeder anders ...
"We are truth made in heaven, we are glorious" (Anderson/Stolt 2016)

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