[REVIEW] Yes - The Quest (2021)

veröffentlicht: 01.10.2021

Jon Davison ; Geoff Downes ; Steve Howe ; Chris Squire ; Alan White
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SOON
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[REVIEW] Yes - The Quest (2021)

Beitrag von SOON »

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Kann man Nein zu YES sagen?
Abgesehen davon gibt es eine existenzielle Frage, die sich viele alte Rockfans stellen.
Diese Frage ist die nach der Legitimität einer "Band".
Im Gegensatz zu Blues, Country und Jazz - bei denen die Persönlichkeiten im Vordergrund stehen - hat der Rock den Begriff der "Band" durchgesetzt.
Diese kleine (R)evolution hat natürlich "Marken" hervorgebracht, so kommt es zum berühmten Konflikt zwischen "Band" und "Brand".
"Marken" verkauft man an Nostalgiker, die nach herzerwärmenden Fragmenten ihrer geliebten Vergangenheit suchen.
Der Altrocker kauft die Marke "im Vertrauen", selbst wenn die Scheibe Mist enthält.
Was nicht ausschließt, dass die Scheibe wertvoll ist, wenn man für "YESMusic" (die mir sehr am Herzen liegt) empfänglich ist.
Was bleibt von der Glaubwürdigkeit von Uriah Heep (ohne Hensley), Slade (ohne seinen Schreihals), AC/DC (ohne seine Jugendlichkeit), Kansas (ohne Livgren und Walsh), Styx (ohne deYoung), Judas Priest (ohne seine Gitarristen)?
All diese Verteidiger des "Glaubens" sind einer nach dem anderen verschwunden, entweder weil sie es bei ihren Stammbands nicht mehr aushielten oder weil sie vom Tod heimgesucht wurden.
Wo versteckt sich -wirklich- die Seele einer Band?
In ihrer Vergangenheit? In ihrem Line-Up? In ihrem Namen? In ihrer Musik? In ihrem Merchandising?
Die Seele einer Band existiert in ihrer Gegenwart, in dem was sie den Menschen, die sie hören, an Freude bringt.

The Quest ist weder ein Album von YES im ursprünglichen Sinne noch ein Soloalbum von Stephen James Howe.
Es ist ein Hybridprodukt, dass von Roger Dean wunderschön geschminkt wurde.
Wahrscheinlich würde niemand das Album kaufen, wenn es einen anderen Band-Namen und eine andere Aufmachung hätte.
Oder wenn es in einer weißen Hülle verkauft werden würde, ähnlich wie das Weiße-Beatles-Album in der zweiten Hälfte der 60er Jahre.
Letztendlich ist es allen egal!
Unabhängig von allen Zeitläufen und Meinungen ist The Quest ein typisches "mimimi" Album.
Ich weiß, der Begriff ist lächerlich, aber es ist das einzige Wort, dass mir nach mehrmaligem aufmerksamen Hören in den Sinn kommt.
The Quest ist das "mimimi "ste Yes-Album seit - äh - ... sehr langer Zeit (seit mindestens dem mühsamen OYE).
Jeder wird das Fehlen des einen oder anderen Musikers auf diesem Album bedauern, aber die Vergangenheit ist Vergangenheit.
Und wir werden Jon Davison nicht aufhängen, nur weil sein Timbre unweigerlich an einen anderen Jon (Anderson, dessen richtiger Vorname eigentlich John war) oder zeitweise an Terry Luttrell (Starcastle) erinnert.
Die YES von 2021 (oder der intellektuellen Ehrlichkeit halber, die Band, die heute den Namen Yes trägt) verdient eine erste Medaille, weil sie Geoff Downes wieder in die Band aufgenommen haben.
Nicht alle Veteranenformationen sind so großzügig gegenüber ihren ehemals geflüchteten Mitgliedern.
Geoff Downes, der den kitschigen Retro-Prog erfunden hat, der mit zwei Fingern gespielt wird, ist ein Klotz am Bein von YES.
Eine zweite Medaille verdienen YES von 2021, weil sie durch die Pandemie erzwungenen Distanzierung, ein sonniges, glückliches und intelligentes Werk bietet, dass über das "Schöne" hinaus Hoffnung gibt.
Und die dritte Medaille verdient YES 2021, weil es keinen einzigen Durchhänger-Song auf dem Album gibt.
Die Titel schwanken zwischen "gut" ("The Ice Bridge", "Future Memories", "Music To The Ears",) und "obere Mittelklasse" ("Dare To Know", "Leave Well Alone", "Minus The Man", "The Western Edge").
Zwei Ausnahmen von dieser sehr subjektiven Klassifizierung gibt es dennoch: "Future Memories", dass mit seinen wunderschönen 12-saitigen Fender-Arpeggios fast an die Exzellenz früherer Howe-Stücke heranreicht, und "A Living Island", dass auf Dauer etwas enttäuscht, weil sein Format trotz eines schönen Intros zu offensichtlich ist, um ihm den obligatorischen Anschein eines "großen Finales" zu verleihen.
Die drei entbehrlichen Titel auf der Bonus-CD sind nicht schlecht, aber einer von ihnen ist unfreiwillig komisch.
Mit seinem erschreckend naiven Text ist "Mystery Tour" die entwaffnendste Hommage an die Beatles seit langem.
Könnte man sich Steve Howe als Altrock-Fan vorstellen, der so verklärt, nostalgisch und respektvoll auf sowas reagiert wie wir?
Was die Sache nicht besser macht, ist, dass diese Komposition aufgrund ihrer "poppigeren" Struktur auch auf dem letzten Album von Starcastle hätte landen können, dem die ganze Welt vorgeworfen hat, sie würden Yes nachäffen.
Der Kreis schließt sich nun auch bei YES.

Die Wölfe können heulen, die Hyänen können bellen, die Eulen können krächzen!
Der Verfasser dieses Reviews wird für jedes seiner Worte die Verantwortung übernehmen. Yes!

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CD1

1. The Ice Bridge (7:01)
2. Dare To Know (6:00)
3. Minus The Man (5:35)
4. Leave Well Alone (8:06)
5. The Western Edge (4:26)
6. Future Memories (5:08)
7. Music To My Ears (4:41)
8. A Living Island (6:52)

CD2

1. Sister Sleeping Soul (4:51)
2. Mystery Tour (3:33)
3. Damaged World (5:20)


Line-up
– Jon Davison / vocals
– Steve Howe / guitars, producer
– Geoff Downes / keyboards, Hammond
– Billy Sherwood / bass
– Alan White / drums
With:
– Jay Schellen / additional percussion

Additional musicians:
Jay Schellen – percussion
FAMES Studio Orchestra (tracks 2–4)
Paul K. Joyce – orchestra arrangements
Oleg Kondratenko – conductor (tracks 2–4)

Production:
Steve Howe – producer, preparatory engineering, guitar recording
Curtis Schwartz – engineering, mixing, recording sessions photographies
Simon Heyworth – mastering
Geoff Downes – preparatory engineering, keyboards recording
Jon Davison – preparatory engineering, vocals recording
Billy Sherwood – preparatory engineering, basses recording, drums and percussion recording
Alen Hadzi Stefanov – orchestra sound recordist
Teodora Arsovska – orchestra Pro tools operator
Roger Dean – cover art, logo
Doug Gottlieb, Glenn Gottlieb (The Gottlieb Brothers) – package design, Yes portraits
Gigi White – recording sessions photographies
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Caravan
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Re: [REVIEW] Yes - The Quest (2021)

Beitrag von Caravan »

Du hast meinen Segen.....
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nixe
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Re: [REVIEW] Yes - The Quest (2021)

Beitrag von nixe »

Du sprichst mir aus der Seele!
Tschüß
nixe

Musik hat die Fähigkeit uns geistig, körperlich & emotional zu beeinflussen!

!!!I like Prog!!!

!!!Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten!!!

Caravan
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Re: [REVIEW] Yes - The Quest (2021)

Beitrag von Caravan »

;)

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